Gott im Alltag
Vor einiger Zeit, es muss so zum Jahresbeginn 2021 (Corona-Lockdown) gewesen sein, sprach ich mit einer katholischen Kollegin. Natürlich in einem Videochat. Wir hatten uns daran gewöhnt und in den ersten Minuten sprachen wir über Privates. So, wie man es auch machen würde, wenn man sich im Büro trifft.
Im Laufe des Gesprächs stellte sie mir die Frage, was ich im letzten Jahr Besonderes getan habe, von dem ich glaube, dass es Gott gefallen hat.
Was für eine Frage
Was für eine Frage am frühen Morgen! Ich verstummte auf der Stelle. In meinem Kopf sah ich alle möglichen Geschichten und Situationen des letzten Jahres, auch die, bei denen sich mein schlechtes Gewissen meldete. Das eine oder das andere davon hätte Gott wahrscheinlich nicht ganz so gut gefallen. Ich war mir nicht sicher und immer noch stumm. In meinem Kopf geisterte die Frage, was wäre es wert gewesen, jetzt erwähnt zu werden. Und immer noch hatte ich Bilder im Kopf. Situationen in denen ich nicht ganz so freundlich war, wie sonst und die Welt hatte ich auch nicht gerettet. So ein Mist!
Es waren bis hierher nur ein paar wenige Sekunden vergangen, die mir viel länger vorkamen. Meine Kollegin wartete nicht länger und begann, ihre Frage zu beantworten: „Ich habe im letzte Sommer die Sonne genossen, Blumen im Garten betrachtet und die Vögel beobachtet.“