Aus der Zeit gefallen

Das Bild zeigt einen Frühstücksteller mit einem Käsebrot und einem Honigbvrot und daneben einem Becher mit Milchkaffe.

Gott im Alltag

Viele von uns sind gestresst oder leiden an Einsamkeit oder sind mit anderen Dingen so sehr beschäftigt. Innehalten kommt oft zu kurz.

Aus der Zeit gefallen

Ich habe mir vor einiger Zeit etwas angewöhnt, was aus der Zeit herausgefallen zu sein scheint. Das Tischgebet. Egal ob morgens, mittags oder abends.

Schnell in die Küche, ein Frühstücksbrot machen und dann an den Schreibtisch, E-Mails lesen und zwischendurch abbeißen. So ging es mir oft und insgesamt fand ich das auch nicht schlimm. Trotzdem fehlte mir etwas: Innehalten. Besinnung. Dankbarkeit. 

Ein Tischgebet dauert ja nicht lange und kann alleine oder mit mehreren gebetet werden. Also beginnen wir den Tag nochmal von vorne: Schnell in die Küche, ein Frühstücksbrot machen und dann in aller Ruhe und Besinnlichkeit ein Tischgebet sprechen, dann das Frühstücksbrot essen, ein bisschen nachdenken – und erst dann schnell die E-Mails lesen. 

Ein Tischgebet – zum Beispiel so:

Lieber Gott, wir danken Dir für den gedeckten Tisch, für dieses Brot.

Mit dieser direkten Ansprache an Gott und den Dank entsteht eine unmittelbar spürbare Beziehung zu Gott und vergewissert uns, dass wir nicht alleine sind. Nicht jetzt, bei der Vorfreude auf das Essen und auch sonst nicht.

Du versorgst uns mit allem, was wir brauchen!

Das gibt uns die Gewissheit, dass Gott mit der Schöpfung für alles schon gesorgt hat. Wenn es weniger ist, bleiben wir einfach bescheiden. Es ist genug und es muss nicht immer mehr und größer sein.

Wir denken an die Menschen, denen es nicht gut geht und wir vergessen sie nicht.

Wenn Gott schon für alles und somit auch für alle gesorgt hat, warum sind dann die Ressourcen so ungleich verteilt? Warum handeln wir nicht verantwortlicher und bescheidener? Mit diesem Gebet beziehen wir alle mit ein, die nicht genug haben und bitten Gott um Hilfe und Erkenntnis. 

Amen.

„Ja, so sei es“. Wir bekräftigen unser Gebet.

Mama

Gisela 1925 – 2021

Fast 96 Jahre alt, fast 70 Jahre verheiratet mit dem Mann, den sie ihr ganzes Leben lang kannte. Die Mütter, meine Omas, waren beste Freundinnen.

Kein Wunschkind

Gisela war 1925 ein nicht gewolltes Kind. Die Eltern waren jung und es waren die so genannten „Goldenen 20er Jahre“. Partys und Drogen. Nach drei Wochen wurde die kleine Gisela bei den Großeltern abgegeben, die im selben Haus, einer großen Villa mit Garten, lebten. Die Eltern kümmerten sich nicht mehr um ihre Tochter und das blieb das ganze Leben lang so.

Bei den Großeltern hatte Gisela es sehr gut. Eine behütete, liebevolle und freundliche Kindheit und Jugend. Fast, wenn da nicht die Nationalsozialisten gewesen wären. Lehrer in der preußischen Kleinstadtschule vor den Toren Hamburgs, trugen im Unterricht SS-Uniform. Der Großvater, SPD-Bürgermeister in einer benachbarten preußischen Stadt, wurde abgesetzt und musste die Familie mit Gelegenheitsarbeiten und mit Spenden anderer SPDler:innen und Gewerkschafter:innen ernähren. Es folgten Schikanen der gesamten Familie gegenüber.

Gisela, die Modezeichnerin werden wollte, wurde zur Arbeit in einer Munitionsfabrik für Torpedos verpflichtet. Später war sie dann Marinehelferin. Die einzige junge Frau, die dort unter lauter freiwilligen Nazis dienen musste. Ihr Vater und ihr Großvater wurden immer wieder von der Geheimen Staatspolizei abgeholt und verhört. Der geliebte Großvater wurde schließlich verhaftet und in das Konzentrationslager Neuengamme gebracht. Dort wurde er durch medizinische Versuche ermordet.

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Zum Lachen in den Keller

Gott im Alltag

Vor einiger Zeit, es muss so zum Jahresbeginn 2021 (Corona-Lockdown) gewesen sein, sprach ich mit einer katholischen Kollegin. Natürlich in einem Videochat. Wir hatten uns daran gewöhnt und in den ersten Minuten sprachen wir über Privates. So, wie man es auch machen würde, wenn man sich im Büro trifft.

Im Laufe des Gesprächs stellte sie mir die Frage, was ich im letzten Jahr Besonderes getan habe, von dem ich glaube, dass es Gott gefallen hat.

Was für eine Frage

Was für eine Frage am frühen Morgen! Ich verstummte auf der Stelle. In meinem Kopf sah ich alle möglichen Geschichten und Situationen des letzten Jahres, auch die, bei denen sich mein schlechtes Gewissen meldete. Das eine oder das andere davon hätte Gott wahrscheinlich nicht ganz so gut gefallen. Ich war mir nicht sicher und immer noch stumm. In meinem Kopf geisterte die Frage, was wäre es wert gewesen, jetzt erwähnt zu werden. Und immer noch hatte ich Bilder im Kopf. Situationen in denen ich nicht ganz so freundlich war, wie sonst und die Welt hatte ich auch nicht gerettet. So ein Mist!

Es waren bis hierher nur ein paar wenige Sekunden vergangen, die mir viel länger vorkamen. Meine Kollegin wartete nicht länger und begann, ihre Frage zu beantworten: „Ich habe im letzte Sommer die Sonne genossen, Blumen im Garten betrachtet und die Vögel beobachtet.“ 

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Vertrauen

Andreas (NAK) aus dem Ökumenischen Forum Bergedorf, stellte mir zwei Fragen zum Vertrauen.

Was ist Vertrauen für mich?

Die Frage ist ja einfach. Vertrauen ist etwas sehr alltägliches. Wir vertrauen oft sehr unbewusst. Ohne darüber nachzudenken. Dabei handelt es sich um erlerntes Vertrauen. Ein einfaches Beispiel dafür ist die grüne Ampel. Beim Wechsel auf grün, gehe oder fahre ich los. Ich vertraue darauf, dass andere rot haben und dass, was wir damit verbinden und verabredet haben, respektieren.

Wenn es doch immer so einfach wäre! Bei Menschen bin ich da schon kritischer. Auch das ist erlernt. Ich habe nicht nur gute Erfahrungen gemacht, habe vertraut und wurde enttäuscht. Nicht so oft, das Gute überwiegt zum Glück. Sehr deutlich sogar. Trotzdem erinnere ich mich an das nicht so gut gelaufene Vertrauen intensiver und gelegentlich bleibt ein kleiner Schatten bestehen.

Was ist Gottvertrauen für mich?

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Weihnachten 2020

Weihnachten

Was für ein Streß war das oftmals. Welche Geschenke sollen es sein? Was wünscht du dir? Wird die Jacke gefallen, wird sie passen, ist sie warm genug … Wie groß soll der Weihnachtsbaum werden, wann ist der richtige Tag ihn zu kaufen? Apropos kaufen: Lebensmittel … und dann die wichtigste Frage: Wer besucht wann wen?

Und 2020?

Ein paar der genannten Fragen sind natürlich auch in diesem Jahr wichtig geblieben. Ohne Geschenke ist es ja auch doof.

„Wer besucht wen“ hingegen hat sich allerdings erledigt. Alle älteren Verwandten gehören zur Risikogruppe oder dürfen gar nicht besucht werden (Pflegeheim).

Angeblich erwartet uns das „härteste Weihnachten“ überhaupt. Meine sehr alten Eltern sehen das auch nicht gelassen. Sie leben in einem Pflegeheim und dürfen keinen Besuch empfangen – es gibt drei Corona-Fälle unter den Bewohner*innen und dem Personal. Zum Glück gibt es Telefon. Aber, das härteste Weihnachten? Da fallen ihnen noch ein paar andere Jahre ihres Lebens ein.

Wenn ich „härteste Weihnachten“ höre, denke ich – ganz protestantisch – daran, wie es wohl jetzt Menschen in anderen Ländern geht: Hunger. Krieg. Gewalt. Flucht. Krankheit. Wir müssen nur auf ein paar Kontakte, auf ungeniertes Einkaufen und auf öffentliches Glühweintrinken verzichten. Für ein paar Monate.

Gottesdienste

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Die Maske ist ein Zeichen der Liebe

Die Maske ist ein Zeichen der Liebe

Wir haben uns in den letzten Monaten immer mehr daran gewöhnt: Maske auf beim Bäcker, im Supermarkt, im Bus und auch in Schulen und am Arbeitsplatz. Natürlich sind wir deswegen ab und zu genervt. Die Maske hindert beim Sprechen und auch beim Zuhören. Brillenträger*innen haben noch mit schlechter Sicht zu kämpfen. Aber mal ehrlich, ist das nicht eigentlich nichts? Ein bisschen Anstrengung dafür, andere Menschen zu schützen und umgekehrt – geschützt zu werden.

Ist das nicht eine gute Haltung? Ist das nicht auch Nächstenliebe? Nächstenliebe kostet häufiger mal etwas Anstrengung, Veränderung und – seien wir ehrlich – manchmal ist ein kleines bisschen Überwindung nötig. Und so ist es mit der Maske auch.

Respekt und Liebe

Und trotzdem ist es richtig und gut! Wir zeigen damit, du bist mir wichtig. Deine Gesundheit geht mich etwas an. Umgekehrt bitte ich um deinen Respekt und um deine Liebe. Bitte schütze mich und trage die Maske richtig über Mund und Nase. Immer da, wo es notwendig ist. Wir sind solidarisch und tragen einander die Last.

Ich schütze dich und du schützt mich und damit stehen wir zueinander. Auch mit wildfremden Menschen im Bus, im Laden oder sonst wo. Ist das nicht hoffnungsvoll? Hoffnung darauf, dass wir alle gut durch die Pandemie kommen.

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Ich teile mit dir

Eine moderne Interpretation eines der Werke der Barmherzigkeit*

Vielleicht kennen Sie das auch aus Ihrer Kindheit? Teilen und abgeben waren eine Tugend und als Kind lernte man das Teilen. Beim Teilen musste es immer gerecht zugehen. Und als gerecht haben wir empfunden, wenn jede oder jeder ein gleich großes Stück bekam. Ein Apfel wurde in der Mitte geteilt, in zwei gleichgroße Hälften. Das ist das Teilen auf sehr persönlicher Ebene.

Ist das alles zum Thema „Ich teile mit dir“? Teilen ist doch viel mehr!

Ich teile gerne alles mögliche, wenn es zum Gelingen einer Sache beiträgt. Also nicht 50:50, nicht fifty-fifty um jeden Preis, sondern so, wie es richtig ist. Wenn ich zu einer Sache mehr beitragen kann als andere, dann teilen wir alle. Je nach Möglichkeit und je nach Bedarf.

Ich muss nochmal an den Apfel denken: Der ist nach dem Teilen nicht mehr ganz. Heutzutage gibt es Dinge, die bleiben aber ganz und werden sogar mehr.

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Wie geht Beziehung?

Gottesbeziehung und Verkündigung in diesen Zeiten

Die Diskussionen, ob die Kirchen für unsere Gesellschaft systemrelevant sind oder nicht, haben doch einige in der Kirche erschreckt. Kirche scheint für das Funktionieren unserer Gesellschaft nicht mehr von Bedeutung zu sein. Das ist schon sehr lange so. Jetzt fällt es noch mehr auf. Kirche ist Freizeit und Privatvergnügen. Wer dahin geht, ist eher Randgruppe. Kirche wird mehrheitlich nicht als Fels in der Brandung gesehen. Nice to have.

Verschwörungstheorien ersetzen manchmal die Sinnsuche. Das ist furchtbar und brutal! Auch das ist nicht neu. Hier sind die Kirchen gefordert. Menschen, die Verschwörungstheorien nachlaufen sind auf einem fehlgeleiteten Weg zur Sinnsuche. Offenbar kreuzen sich die Wege überhaupt nicht. Oft ist zu hören, dass die Kirche dazu aufruft, zu den Menschen zu gehen, meistens wird abgewartet, ob jemand den Weg zur Kirche findet. Das können wir doch besser!

Werden Gottesdienste überbewertet?

Welche Auswirkungen hat der Lockdown auf meine Beziehung zur Kirche? Spannende Frage.

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Corona-Zeiten

Petrus stieg aus dem Boot …

Petrus stieg aus dem Boot und ging auf dem Wasser und kam auf Jesus zu. Als er aber den starken Wind sah, erschrak er und begann zu sinken und schrie: Herr, rette mich! Jesus aber streckte sogleich die Hand aus und ergriff ihn und sprach zu ihm: Du Kleingläubiger, warum hast du gezweifelt?

Matthäus 14, 29-31, Lutherbibel, 2017

Diese Geschichte sagt uns …

Viele Menschen haben in diesen Tagen viele Fragen und bestimmt auch Sorgen und Ängste. Aber diese Geschichte sagt uns, wir können darauf vertrauen, dass Gott weitersieht als wir und das wir nicht ohne Ihn unterwegs sind. Nicht ohne seine Hand.

Obwohl unsere Kirchen geschlossen sind, wird sichtbar, dass Menschen Gottes Nähe suchen. Es gibt plötzlich ganz andere Aktivitäten in den Gemeinden. Gemeinsames Läuten der Kirchenglocken im Kirchspiel oder Ökumenisch rufen zu einer bestimmten Stunde zum gemeinsamen Gebet.

Wir sind nicht allein.

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Bibelteilen

Es gibt verschiedene Möglichkeiten des Bibelteilens. Es ist eine spirituelle Auseinandersetzung mit der Schrift – keine wissenschaftliche Exegese. Theologische Bildung ist dafür nicht erforderlich. Kennengelernt habe ich das Bibelteilen in meinem katholischen Umfeld in der Engagementförderung. Und ich war erstaunt, dass dieses Vorgehen zu Problemlösungen taugt und konkrete Schritte definieren kann. Hätte ich das in meinem Berufsleben bereits gekannt, wäre ich zwar für verrückt erklärt worden, hätte aber so manche Herausforderung anders lösen können. Um etwas zu lernen, ist es nie zu spät.

Selbst eingesetzt habe ich das Bibelteilen dann im Kirchengemeinderat meiner evangelisch-lutherischen Gemeinde. Das war das Ergebnis einer Klausurtagung, die als Schwerpunktthema die „geistliche Leitung der Gemeinde“ zum Thema hatte.

Es gibt verschiedene Methoden des Bibelteilens. Ich habe mich für die klassische Variante des Bibelteilens in sieben Schritten entschieden. Sie ist für die Anleitung und für die (unerfahrenen) Teilnehmenden, die leichteste Auseinandersetzung.

Übrigens soll das Bibelteilen etwa drei- bis viermal im Jahr fester Bestandteil der Kirchengemeinderatssitzungen werden.

Bibelteilen in sieben Schritten

Überblick über die sieben Teile. Anleitung. So gehts.

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Tradition – oder um wen geht es?

Ich gestehe, dass ich eher ein traditioneller und kein moderner Christ bin. Ich besuche Gottesdienste und je traditioneller Liturgie und Ablauf sind, desto wohler fühle ich mich. Das ist der eine Teil meiner Religiosität. Ich bete aber auch frühmorgens auf Twitter mit. Eine Art Gottesdienst, der sich über mehrere Threads hinzieht. Zwischen 6 und 7 Uhr geht es meistens los. An jedem Tag. Interesse? Hier kann mitgemacht werden (Twitter-Account ist Voraussetzung): #twaudes. Digital und traditionell passen offenbar zusammen. Und „mein Kirchenhaus“ ist so wunderbar! Diese glatten und kahlen Kirchengebäude sind nicht meins.

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Greta und mein SUV

… und was das bedeutet.

Das Bild zeigt die Frontscheibe und den angeklappten Spiegel eines SUV-Autos. In der Scheibe spiegeln sich Bäume und der Himmel. Das Foto ist absichtlich überbelichtet.

Ich dachte immer, ich hätte das richtige Auto gewählt. Auf keinen Fall sollte es ein Diesel sein. Feinstaub und Fahrverbote haben mich abgehalten. Ein E-Auto kam wegen des Preises nicht in Frage. Also Benzin, kleiner Motor, großes Auto, in das bequem eingestiegen werden kann. Gute Sitzposition (mein Rücken, meine sehr alten Eltern). Ein kleiner SUV von Volkswagen. Vom Motor und dem Fahrgestell eigentlich ein Golf. Eigentlich war damit alles gut.

Mein Auto: 155 g/km CO2-Emissionen.

In Worten: Einhundertfünfundfünfzig Gramm CO2 Emissionen pro Kilometer. Ich bin schockiert. Ich bin schockiert darüber, dass ich das nicht beachtet und berücksichtigt habe. Meine E-Klasse-Geschäftswagen (Diesel) mit doppelter PS-Leistung und Hubraum hatten auch nur 165 g/km.

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