Thomas

Gründonnerstag 2019. In St. Petri und Pauli ist Gottesdienst mit Tischabendmahl. Unser Pastor hat eigene Texte vorbereitet. Ich darf mir einen davon aussuchen. Die Namen der Jünger Petrus, Simon … Thomas. Da war die Wahl getroffen. Thomas. Natürlich. Ich überflog den Text. Dann war ich an der Reihe. Und ich war sehr betroffen. Ich konnte mich gar nicht richtig konzentrieren. Endlich konnte ich mich dem, auch von mir so missverstandenem „Ungläubigen Thomas“, ganz anders nähern. Danke Pastor, das war toll!

Der Text:

Ihr kennt mich als Thomas, den Zweifler, den „ungläubigen Thomas“. Ach, ihr habt doch keine Ahnung! 

Die Begegnung mit Jesus kann ich mit nichts vergleichen in meinem Leben. Er ist – er ist einfach überwältigend. Also, ich meine: in einem ganz besonderen Sinne. „Dann werde ich erkennen, wie ich erkannt bin“, so wird Paulus später formuliert haben. Besser kann ich es eigentlich nicht beschreiben: ich fühle mich von ihm erkannt, durch und durch, mit allem, was zu mir gehört: dem Hellen, dem, was ich gerne zeige, aber auch mit dem Dunklen, das euch gar nichts angeht. Aber ich glaube, ihr kennt das auch: dieses große Rätsel in dir, das du dir selber bist. Ja, er erkennt mich. Und das auf eine so liebevolle, heilende Weise, dass ich das Gefühl hatte, ein anderer, ein besserer, ein glücklicher, seliger Thomas zu sein. Mit ihm war alles gut.

Und ich erkenne mich im Spiegel seines Blickes: auf ebenso liebvolle, heilende Weise. In der Bibel steht das Wort „erkennen“ ja auch für „sich in Liebe vereinigen“. Ja, so ist´s. Ich erkenne mich, aber eben aus einem Blickwinkel, der nicht mein eigener ist. Wie ein Säugling in den Augen seiner Mutter sieht, wie wunderbar er ist, so erfahre ich das im Blick Jesu. Und kann mich in Liebe mit mir selbst vereinigen, werde überwältigt von dem Thomas, den er in mir sieht. So meine ich das: überwältigend.

Als er uns Brot und Kelch reichte, geschah es: er vereinigte sich mit uns, ich mich mit dem, was er in mir sieht – überwältigend halt, so meine ich das. 

Für mich ist das – es klingt so schlicht – wie die Begegnung mit Gott selbst.

Aber das unbegreifliche ist ja, dass er in Anderen ganz Anderes auslöst. Ja, sie wollen ihn töten, und womöglich schaffen sie es auch. Das ist unbegreiflicher für mich als alles Positive. Wenn ich ihn nicht sehen, anfassen könnte, würde ich das alles nicht glauben.

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