katholisch. evangelisch. anders.

Vor wenigen Tagen fragte mich ein Kollege, was passieren müsste, damit ich als evangelischer Christ, Mitglied der katholischen Kirche werden würde. Ich, Katholik werden?

Wir haben uns freundlich darüber unterhalten. Und nein, ich habe keinen Forderungskatalog an die katholische Kirche ausgesprochen. Wenn ihr das oder jenes …, dann könnte ich mir vorstellen, Mitglied eurer Kirche, also der Kirche, für die ich beruflich arbeite, zu werden.

Als evangelischer Christ in der katholischen Kirche arbeiten? Ja, das geht. Wunderbar sogar! Unser Glaube verbindet uns. Sehr tief! Das ist aber ein anderes Thema.

Ich bin ökumenischer Christ

Zurück zur Ausgangsfrage, die mich noch Tage später beschäftigt. In dem Gespräch habe ich Stellung genommen. Schließlich sehe ich mich durch und durch als ökumenischen Christen, der sich mehr als nur Zusammenarbeit wünscht. Aber manches ist mir bei meinen katholischen Schwestern und Brüdern fremd. Und das sage ich mit allergrößtem Respekt, mit hoher Wertschätzung und Zuneigung!

Entscheidungen

Ich finde es merkwürdig, dass die Mitglieder dort so wenig Einfluss haben. Die Entscheidungen fällen durchweg die geweihten Geistlichen. Das letzte Wort haben sie eigentlich immer und sie nehmen es sich auch. Unabhängig von den Gremien, in denen ehrenamtliche Mitglieder vertreten sind, der Pfarrer entscheidet. Oder die Bischöfe. 

Für einen Wandel innerhalb der Kirche wollen die (oder einige) Bischöfe, Mitglieder auf einen synodalen Weg mitnehmen. Da soll es um Klerikalismus und die Ausrichtung der Kirche gehen. Muss das nicht genau andersherum sein? Sollten nicht Mitglieder-Gremien die Geweihten mit auf den Weg nehmen? 

Wessen Kirche ist das?

Oder anders gefragt: Wessen Kirche ist das? Entscheiden mehr als 20 Millionen Katholikinnen und Katholiken in Deutschland oder etwa 60 Bischöfe (inkl. der Weihbischöfe) über den Kurs der Kirche?

In der evangelischen Kirche ist das anders. Der Pastor vor Ort ist zwar Kraft seines Amtes – mit einer gleichberechtigten Stimme – Mitglied des Kirchengemeinderates (KGR) und Vorsitzender oder stellvertretender Vorsitzender des Gremiums. Das entscheidet der KGR durch Abstimmung. Bis dahin ist es aber ein langer Weg. Die künftige Pastor*in einer Gemeinde muss sich beim KGR bewerben, einen Gottesdienst gestalten, Gespräche führen und dann wählt der KGR eine Bewerber*in aus. Und nach jeweils fünf Jahren gibt es einen Pastoren-Check (der natürlich einen anderen Namen hat). Der KGR kann sich zur Pastor*in bekennen, muss es aber nicht.

Bindeglied zu Gott 

Der wesentlichste Unterschied im Verhältnis der Mitglieder scheint mir jedoch das Verhältnis „Gläubige – Kirche – Gott“ zu sein.

Für viele Katholik*innen ist die Institution Kirche das Bindeglied zu Gott. Ohne Kirche ist eine Beziehung zu Gott schwer möglich. Damit hat die Kirche einen ganz anderen Stellenwert. Sie ist nicht nur Organisation, sie wird als „Leib Christi“ angesehen. Für mich als evangelischer Christ ist Gott die Verbindung zur Kirche, in der ich, in Gemeinschaft, meinen Glauben lebe. Die evangelische Kirche wird auch von Jesus und dem Heiligen Geist geführt, ist auch eine „heilige Kirche“, jedoch als Institution für sich genommen in der Gottesbeziehung nicht ganz so wichtig. Das sagen wir selbstbewusst und voller Liebe und Zuneigung für unsere Kirche.

Die Führung der Kirchen ist also eine Christokratie. In den Organisationsstrukturen nutzen wir (und das ist ein Unterschied) demokratische Regeln – in allen Ebenen.

Noch ein paar Zeilen zu den Frauen:

Frauen, worauf wartet Ihr?

In Deutschland sind Pastorinnen in der evangelischen Kirche keine Ausnahme mehr. Das ist keine Sensation, das ist Alltag. Zugegeben, in Spitzenpositionen sind Frauen noch unterrepräsentiert, obwohl es zahlreiche Pröbstinnen und Bischöfinnen gibt. 

Für Katholikinnen und Katholiken ein Traum? Ein Traum der viele Herausforderungen leichter machen könnte. Klerikalismus, Priestermangel. 

In der katholischen Kirche gibt es nicht nur die Bewegung „Maria 2.0“, die an der Basis entstanden ist. Die „Katholische Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) fordert jetzt auch die „Priesterweihe für Frauen“ („Theologische Fragen geklärt“, katholisch.de 21.06.2019). Das ist eine Sensation und ich warte mit hoher Anspannung auf den großen und befreienden Knall, der das ermöglicht! Auch wenn es Priesterinnenweihe heißen müsste (zwinker).

Die Ausgangsfrage habe ich nicht beantwortet? Tja, stimmt.

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